Montag, 14. Dezember 2015

Im Gespräch mit Tessa-Jean Cook

Foto: Alexander Ott
Hallo Tessa....schön, dass du dir für meine fancy Fragen Zeit nimmst! Fangen wir doch auch gleich mal an:
Bekannt bist du als Hobbymodel und hast schon mit vielen verschiedenen Fotografen gearbeitet.Wie fing alles bei dir an?


"Tatsächlich fing alles bei mir ziemlich unerwartet an. Ich habe persönlich nie gedacht, dass ich irgendwie für das Modeln geeignet bin, schließlich bin ich ja recht klein. Des Weiteren assozierte ich, wie wohl die meisten Menschen, Models mit extrem dünnen Frauen. Doch dann wurde ich, im Zug auf dem Weg zu einem Konzert, für das ich im Gothic-Stil gestyled war, angesprochen, ob ich denn Interesse hätte, mich fotografieren zu lassen. Der Fotograf gab mir seine Visitenkarte und ich muss zugeben, dass ich lange gehadert habe, ob ich mich darauf einlassen soll. Die Frage danach, warum ich gefragt wurde, beschäftigte mich. Mein Selbstbewusstsein war damals wohl nicht das Beste. Schließlich überredeten Freunde mich, es doch wenigstens einmal zu versuchen.

Und das war eine sehr gute Entscheidung! Bereits beim ersten Shooting merkte ich, dass es beim Modeln nicht nur darauf ankommt, dass man dasteht und gut aussieht, sondern es auch sehr viel abverlangt und ebenso sehr viel Raum für Kreativität bietet. Man muss sich auf sich und seinen Körper, seine Gestik, Mimik, Haltung und so viel mehr konzentrieren. Klingt vielleicht leicht, aber jeder, der schonmal versucht hat auf das Alles perfekt zu achten, weiß, dass es extrem hart ist. Ganz zu schweigen von den Posen, die man zum Teil halten muss, und die widrigen Wetterumstände.. Jenes bietet aber auch sehr große Möglichkeiten um seine Kreativität zu entfalten. Gute Fotos entstehen durch eine gute Zusammenarbeit und da bringt jeder seine Ressourcen mit hinein."

Foto: Liancary
...Jedoch übst du ja weit mehr Talente aus und steckst Herzblut in viele verschiedene Dinge. Was für Dinge sind das alles und was treibt dich an?


Meine größte Leidenschaft ist wohl die Kunst. Ich will es gar nicht auf irgendeinen Bereich der Kunst beschränken, ich genieße jeden kreativen Prozess. Unter Kunst fällt für mich sehr viel. Schon seit dem ich klein bin, bin ich bildkünstlerisch aktiv, weswegen ich auch auf ein Gymnasium mit einem Kunstleistungskurs ging. Ich bin wohl sehr strebsam und wollte mich immer verbessern. Doch eben jener Kunstleistungskurs half mir einen sehr ungesunden Perfektionismus abzulegen und zu verstehen, dass das Streben nach Verbesserung nicht heißt, sich immer nur zu kritisieren, sondern, dass es auch beinhaltet seine Stärken zu erkennen. Nebenher habe ich immer schon viel geschrieben, Gedichte, Geschichten oder auch nur Gedanken. Es war eine weitere kreativie Möglichkeit mich auszudrücken. Schließlich fing ich nach der Schule auch an Kopfschmücke und Shootingaccessoires zu machen. Dies war eine logische Konsequenz daraus, dass ich während meines freiwilligen sozialen Jahres im Kunstmuseum nicht so viel Geld zur Verfügung hatte, und dennoch Shootings verwirklichen wollte, die aufwändiger waren. Ich muss sowieso ständig erschaffen, demnach empfinde ich es nur als eine weitere Bereicherung meines Lebens. Ich versuche mich auch im Gitarre spielen, da mir der musikalische Ausgleich fehlte, nachdem ich in meiner Pubertät dummerweise mit dem Geige spielen aufgehört habe. Ebenso backe und koche ich liebend gerne, und finde Freude an Allem, was kreativ ist. So kam ich auch dazu, dass ich Andere (und mich selbst) für Shooting schminke.
Meine zweite, ebenso große Leidenschaft ist die Philosophie. Seitdem ich lesen kann, war ich ein Bücherwurm und kam dementsprechend früh mit ihr in Kontakt. Die Fragen, die sie stellte fazinierten mich. Ich wollte ein guter Mensch sein, ich wollte einen Sinn für mich definieren. In Allem, was ich tue, schwingt dies mit. Ich versuche zu reflektieren, mich zu verbessern, zu inspirieren und zu helfen. Drei Leitsätze habe ich mir für das Leben gesetzt: "Verursache so wenig Leid, wie dir möglich ist. "(Und das impliziert für mich, dass ich so viel Gutes verursache, wie mir möglich ist); "Akzeptiere deine Fehler als menschlich, aber lerne aus ihnen." und: "Das Leben ist schön." Als logische Konsequenz engagiere ich mich ehrenamtlich und gebe z.B. Deutschnachhilfe.

Demnach würde ich sagen, dass alles, was mich antreibt Liebe ist. Die Liebe zu mir selbst, zur Kunst, zu allen Lebewesen, zum Leben... Nachdem ich Teile meines Lebens damit verschwendet habe, verbittert, angst- und hasserfüllt zu sein, war jenes für mich in meinem bisherigen Leben die größte Erkenntnis. Aus Hass, Leid und Angst wird nur noch mehr Übel geboren. Ich habe es aufgegeben zu hassen. Stattdessen will ich das, was ich mir von dieser Welt und den Menschen wünsche, selbst sein.


Foto: A to Z Photography, Schloss Hummelshain
Kommen wir zur nächsten Frage:  Was war bisher dein aufregendstes Shootingerlebnis?

Das ist eine schwierige Frage. Aufregend waren viele. Jedes Shooting ist anders und demnach ist jedes irgendwie aufregend. Wenn man micht fragen würde, welches das Schönste bisher war, würde ich wohl sagen, dass es das Shooting mit dir und Alisa (A to Z Photography) im Schloss Hummelshain, beim "Art meets Art"-Event war. Ich habe die Atmosphäre in dieser unheimlich wundervollen Location so sehr genossen. Überall lag Kreativität und Produktivität im Raum, so viele fabelhafte Menschen agierten harmonisch, hilfsbereit und zielstrebig. Und ich selbst durfte in atemberaubenden Kleidern einen zwar anstrengenden, aber herrlichen Tag mit zwei (innerlich und äußerlich) wunderschönen Menschen verbringen. Ganz zu schweigen von den Ergebnissen, die mich noch immer total begeistern...

Ging auch schonmal etwas komplett schief? Wenn ja, wie hast du die Situation gemeistert?


Gab es schoneinmal ein Shooting, wo alles komplett gut ging? :D Ich würde sagen, dass Shootings immer gewisse Herausforderungen stellen. Sei es das Wetter, Shootingoutfits, die in der Post hängen bleiben, oder dass der Zeitplan nicht hinhaut.. Ich würde nicht sagen, dass es jemals komplett schief ging bei mir. Als erstes sollte man sich wohl bewusst sein, dass ein Shooting Teamarbeit ist, weswegen immer eine gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten vorhanden sein muss. Wenn man gemeinsam an einen Strang zieht, findet man immer eine Lösung. Somit ergibt sich auch der logische Schluss, dass man sich stetst bemühen sollte, produktiv für das Team zu sein. Schnell breitet sich Frustration aus, wenn irgendwas nicht klappt. Dann kann man sehr wertvoll sein, indem man aufheitert, verschiedene Lösungsansätze vorschlägt und sich selbst überlegt, wie man sich jetzt positiv einbringen kann. Aber das Wichtigste ist wohl, dass man bei sich selbst anfängt. Auch, wenn man selbst frustriert ist, sollte man versuchen, sich selbst aufzuheitern, denn sonst bringt man nur noch mehr desaströse Energien hinein. Zusammengefasst würde ich sagen, dass ich allgemein versuche mit Hilfe von Teamarbeit, Selbstreflexion und Optimismus Hindernisse zu meistern. Und bisher hat es sich immer bewährt
Foto: TUG Photography
Seit den letzten Jahren sprießen täglich neue (hobby)Fotografen und Models aus dem Boden und preisen sich (meistens für lau) der Welt an. Hast du das Gefühl, dass das der Industrie schadet oder ihr sogar zugute kommt?


Wie das "Hobby" in der Bezeichnung sagt, ist es erstmal etwas Gutes. Menschen, die einem kreativen Hobby nachkommen, sind grundsätzlich positiv. Auch für die Industrie, denn schließlich sind unter ihnen sicherlich auch viele, die wirklich Talent und können haben. Und Träume sind zum Leben da. Jedoch zeigen manche leider ein Mangel an Selbstreflexion (Man sieht, ich finde, dass Selbstreflexion ein essentieller Bestandteil eines jeden Menschen sein sollte.) Man sollte in der Lage sein, oder es sich zumindest schnell aneignen, sich selbst kritisch zu betrachten. Und dazu gehört, zu erkennen, wo die eigenen Schwächen liegen, Verbesserungsmöglichkeiten liegen oder auch zum Beispiel zu wissen, ob man in der Position ist, Geld für das zu verlangen, was man macht. (Natürlich gilt das alles auch umgekehrt – seine Stärken und Qualitäten zu erkennen und auch dann etwas dafür für seine Leistung zu verlangen) Ich gehe aber davon aus, dass sich Diejenigen mit Talent, Menschlichkeit, Ambition und den stetigen Willen zur Verbesserung sich gegenüber Denjenigen durchsetzen werden, die eben jenes entbehren. Schade ist es nur, wenn diese wundervolle Tätigkeit der Fotografie (von Seiten der Fotografen oder Models) negativ behaftet wird, wie durch gewisse Individuen, die sie missbrauchen, um z.B. Qualitativ minderwärtige Nacktfotografien von Menschen zu sammeln. Ich benutze bewusst nicht das Wort "Akt", denn auch, wenn es sich um einen extrem freizügigen Akt handelt, kann er dennoch von Qualität sein. Ob man es mag oder nicht, ist Geschmacks- und Einstellungssache.

Foto: Leonie Fietz Art

Was würdest du heute zu deinem acht Jahre jüngeren Ich sagen?


Acht Jahre. Da war ich 12... Am besten sollte ich gar nichts sagen, denn ich habe wohl jede einzelne Erfahrung gebraucht und wenn ich irgendwas anders gemacht hätte, wäre ich wohl jetzt nicht so, wie ich bin. Und momentan bin ich sehr glücklich. Vermutlich würde ich wohl sagen, dass das Leben schön ist und ich es in jeder Sekunde wertschätzen soll. Ich würde mir raten, die vielen Ängste abzulegen, die ich damals hatte. Sie hemmten mich damals sehr und es enstand viel Leid für mich daraus, denn sie führten zu Wut und Hass. Auf mich selbst und auf Andere. Ich hatte damals wegen verschiedensten Gründen eine wirkliche schwere Zeit und ich dachte, dass ich niemals glücklich werden würde, geschweige denn 20. Jetzt weiß ich es! Ich würde mich umarmen und sagen: "Hey, schau her, schau mich an. Ich bin nun 20 Jahre alt und immernoch da. Und weißt du was? Ich bin glücklich. DU bist glücklich. Glaube an dich und das Gute, die Zeiten werden besser werden."

 Danke dir,  für das Interview.
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