Sonntag, 2. August 2015

Es ist Okay, nicht okay zu sein.


Fast hätte ich diesen Blogeintrag "Die Wahrheit ist..." genannt, denn ich hatte bis heute das Gefühl, die letzten Wochen nicht ehrlich zu mir selbst gewesen zu sein. Ich war nicht okay. Und ich hatte Angst, das einzusehen.

Die letzten Wochen verbrachte ich damit mich in Arbeit zu stürzen, um mich von jedem Gedanken, den ich nicht denken wollte, ablenken zu können. Ich schlief schlecht, wachte nachts oft auf und überlegte, wann der beste Zeitpunkt wäre aufzustehen. Ich vernachlässigte meine ausgewogene Ernährung, ging kaum noch nach draußen. Ich ging engsten Freunden und meiner Familie aus dem Weg, wollte allein sein und fing schnell einen Streit an, wenn ich überfordert war. Ich stoß alles ab, was mir zu nah kam.
Objektiv betrachtet gibt es bei mir nichts, worüber ich mir großartig Sorgen machen müsste. Ich habe ein Dach auf dem Kopf, habe eine Familie, die mich größtenteils liebt und ich übe eine Leidenschaft aus, die es mir ermöglicht neue und tolle Menschen kennenlernen zu dürfen. All das fühlt sich wie eine warme Jacke an, während deine Füße immernoch blank im Schnee stehen. Es ist schön und tröstlich- aber es gibt eben immernoch etwas, das gefixt werden muss.

Ich bin vertraut mit der saisonal abhängigen Depression, wenn die Tage kürzer werden und der Mond länger am Himmel steht fühle ich, wie meine Emotionen anfangen zu überwintern. Ich werde stiller und zurückgezogener. Diese Routine, während der Wintermonate ist mir nicht unbekannt. Aber es war eine Überraschung für mich, das plötzlich im Sommer zu erleben.
Depression ist für die betroffenen eine frustrierende Krankheit. Es zeigt sich in vielen verschiedenen Seiten und es ist einfach, sie zu verbergen. Ich selber verberge sie unter anderen Dingen, die ich mit mir assoziiere: fröhlich, selbstironisch, helfend und neue Kontakte knüpfend.
Ich habe gelernt meine Angst zu maskieren.  Aber Masken, wie gut sie auch sein mögen und wie realistisch sie sich anfühlen mögen, sind dennoch zur Masken und manchmal fangen sie an zu bröckeln.

Wir wurden in eine Gesellschaft gebracht, die Schwächte fürchtet und die Emotionen fürchtet. Wir sind oftmals in dem Glauben, dass es zwar okay sei, so zu fühlen..aber man dürfte nicht darüber sprechen. Unsere "Schatten" dürfen nicht sichtbar sein- und wenn sie es sind, wissen die Menschen oftmals nicht, wie sie reagieren sollen.

Meine eigene Angst davor zu akzeptieren, dass es mir die letzten Wochen nicht gut ging, hielt mich nur davon ab, diese Phase zu meistern. Ich nannte diese Zeit "Bammel vor der Zukunft", ich nannte es "grumpy drauf sein", für mich war es Stress oder der Mangel an Schlaf. Aber das war es nicht. Ich war depressiv und hatte Angst davor, es beim Namen zu nennen. Angst davor, schwach vor mir selber zu wirken und vor anderen.
Dazu sei gesagt, dass ich glücklich bin. Ich habe jeden Tag in meinem Leben viele fröhliche Momente aber ich trage auch jeden Tag große Ängste mit mir herum, wo ich mich noch  durcharbeiten muss. Es gibt Tage, an denen ich gefüllt mit Dankbarkeit und Freude bin und es gibt Tage, an denen ich denke, dass ich niemals mehr Energie für irgendetwas haben werde.

Es ist Okay, nicht okay zu sein. Nachdem ich mir selber eingestanden habe, dass es nicht nur Stress war, der mich die letzten Wochen belastet hat, konnte ich allmählich auch wieder besser schlafen. Konnte mehr entspannen und Gespräche genießen. Ich fühle mich wieder leichter und zuversichtlicher. Ich kann meine anderen Seiten wieder stolz und unbedenklich als Etikett tragen.
Aber ich weiß auch, dass diese Phasen noch öfter kommen werden.
Vielleicht werden sie auch niemals ganz gehen, vielleicht sind sie einfach Teil des Lebens.
Aber ich bin bereit mit ihnen zu leben, auch wenn es dann manchmal schwer für mich und mein engstes Umfeld sein wird. Ich bin okay. Und ich werde Okay sein.


Dieser Post ist kein Aufruf um Hilfe. Es ist weder der Schrei nach Aufmerksamkeit noch Selbstmitleid, es ist lediglich ein Post, um mit mir selber ehrlich zu sein.. und dass ich alle Seiten von mir sein kann, ohne Angst davor zu haben.
Es ist nur eine Erinnerung daran, dass das loslassen der Dunkelheit kein Verlust bedeutet, sondern nur die Helligkeit zurückbringt.

Wenn du dich depressiv, allein und frustriert fühlst, dann kämpf dich da nicht alleine durch. Es gibt viele Wege sich da durchzukämpfen und ich füge meinen Namen zu der Liste hinzu, die du kontaktieren kannst, wenn du jemand unparteiischen zum reden brauchst.

1 Kommentar:

  1. Wow, starke Worte, sehr ehrlich. Ich kenne das, mit dem sich selbst ehrlich sein... das hilft viel...
    Schön Lia :klammerzu

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